Gastbeitrag: Gamification in Tablet-Apps für Senioren

bmeyerHeute haben wir an dieser Stelle einen Gastbeitrag von Birgit Meyer. Birgit studiert Medieninformatik in Berlin an der Beuth-Hochschule für Technik und beschäftigt sich in Ihrer Masterarbeit mit Apps für Senioren. Neben der Uni arbeitet sie im Fraunhofer Institut als studentischer Hilfswissenschaftler. In ihrer Freizeit zeichnet sie gerne und versucht sich mindestens einmal in der Woche mit Volleyball vom Schreibtisch zu lösen. 😉

Die Verbreitung der Tablet-PCs boomt, nicht zuletzt, weil die Preise immer weiter sinken und die Auswahl immer größer wird. Auf Grund dieser Umstände sind diese praktischen Geräte auch immer attraktiver für Senioren. Viele Senioren haben Berührungsängste, wenn es um Computer bzw. Laptops geht, diese Hemmschwelle ist geringer bei Tablets. Die großen Displays, im Vergleich zu handelsüblichen Smartphones, bieten den Senioren gute Bedingungen, um mit der Technik leichter zu interagieren, außerdem wirken sie nicht wie komplizierte Computer.

Wie kann man also mehr Senioren an Tablets heranführen und sie in das digitale Leben integrieren?

Die Generation 50+, also Menschen die über 50 Jahre alt sind, steht vor der besonderen Herausforderung sich immer wieder auf neue Technik einlassen zu müssen, so haben sie die Chance ihr Leben selbst zu gestalten und zu bestimmen, gerade wenn der Körper nicht mehr so mitmacht.

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Vergleich der Nutzergruppen Vorschulkinder und Senioren

Studien zeigen, dass der Nutzen für Senioren weit über die Informationsbeschaffung hinaus geht. Durch ihre Integration ins digitale Leben werden die Erfahrungen auch auf andere technische Geräte und deren Steuerung angewandt und erleichtern deren Handhabung. Im Alltag ist gerade diese Fähigkeit nicht zu unterschätzen. Die Nutzung von sozialen Plattformen und Chat-Clients, wie zum Beispiel „Skype“, bringen die ältere Generation wieder näher an ihre Kinder und Enkelkinder, zugleich ergeben sich aber auch neue Kontakte. Gerade die soziale Isolation ist eines der zentralen Themen, wenn es um Senioren geht. Die zwischenmenschlichen Beziehungen haben einen signifikanten Einfluss auf deren gesundheitliche Verfassung.

Die Gesundheit ist auch eines der Themengebiete, mit denen sich laut einer Umfrage die meisten Senioren auseinander setzen. Sie wollen sich informieren und holen sich Ratschläge und Tipps, also eine gute Möglichkeit dieses Thema aufzugreifen.

In meiner Masterarbeit möchte ich einen Alltagshelfer erstellen, der den Senioren angemessen ist. Ich möchte versuchen, eine App so zu entwickeln, dass sie für Senioren einen Mehrwert bringt und zusätzlich im Alltag hilft. Ich habe mich für eine Medikamenten-App entschieden. Es gibt bereits viele auf dem Markt, diese sind bisher jedoch eher unübersichtlich bzw. oft fremdsprachig, was sie für Senioren im Allgemeinen eher ungeeignet ist.

Meine Arbeit wird also zum einen die Gestaltung einer seniorengerechten App sein, die in regelmäßigen Abständen an den Usern getestet wird. Eine Herausforderung ist dabei eine für Senioren unübliche Komponente einzubinden und so die Nutzer an die Software zu binden und ihnen etwas mehr zu bieten, nämlich Spaß. Mein Ansatz ist es, das durch den Einsatz von sog. „Gamification“ zu erreichen. Unter „Gamification“ versteht man das Ergänzen um eine spielerische Ebene in einer dafür untypischen Umgebung. So werden zum Beispiel triste „Call-Center-Aufgaben“, schnell zu einem Wettbewerb, und der Ehrgeiz wird geweckt. Eine der einfachsten Arten wäre unter anderem das Einführen von Highscores, in welcher die getätigten Anrufe eines Mitarbeiters mit Punkten belohnt werden.

Mit Hilfe von User-Tests möchte ich herausfinden, wie und ob Senioren an solchen Komponenten interessiert sind. Dieser Spagat zwischen besonderen Usergruppen, neuen Technologien und Design ist nicht nur ein spannendes Projekt, sondern entsprechen auch meinen Schwerpunkten, die ich im Studium für mich entdeckt habe.
E-Mail: biggi@stonyvalley.de
Blog: http://www.stonyvalley.de/biggi