Einsatz im Geographieunterricht

 

Einsatz im Geographieunterricht

Abb 1: Beispielhaftes „Reflectory“ zu SDG 2 „Kein Hunger“

Ein „Reflectory“ ist ein Online-Lernarrangement, welches Zusammenhänge und Wechselwirkungen innerhalb komplexer Systeme darstellt und Lernende auf Grundlage verschiedener Informationen herausfordert Entscheidungen zu treffen. Mit Hilfe von Audio-Beiträgen, Bild- und Textmaterial unterschiedlicher Akteur*innen wird zunächst eine Ausgangssituation dargestellt, woraufhin die Lernenden dazu aufgefordert werden immer wieder über verschiedene Handlungsoptionen nachzudenken, diese abzuwägen und Entscheidungen zu treffen, welche meist sehr komplex sind und sich durch kontroverse Informationen und Unsicherheit auszeichnen. Je nach Entscheidung nimmt die Geschichte einen anderen Verlauf und die Lernenden werden mit Konsequenzen konfrontiert, die wiederum Ausgangspunkt für weitere notwendige Entscheidungen darstellen.

Abb 2: Textmaterial zu dem „Reflectory“ SDG 11 „Nachhaltige Städte“

Damit sollen die Schüler und Schülerinnen mit Hilfe von „Reflectories“ in der Lage sein, ökologische, ökonomische, soziale und politische Zusammenhänge auf globaler und lokaler Ebene zu erkennen und zu verstehen. Prozesse und Sachverhalte sollen nicht nur aus der eigenen Perspektive bewertet werden, sondern sie sollen lernen mehrere Zukunftsperspektiven einzubeziehen, indem sie sich mit ihren individuellen, sowie anderen Werte- und Normvorstellungen auseinandersetzen und eigene Visionen für die Zukunft entwickeln. Dabei soll ihnen bewusst werden, dass es beinahe unmöglich ist, sämtliche Grundlagen von Entscheidungen zu kennen und deren Auswirkungen im Vorfeld in Gänze einzuschätzen. Sie werden darauf vorbereitet Entscheidungen in Unsicherheit zu treffen, genauso wie sie sich bewusst werden sollen, dass Entscheidungen nicht rückgängig gemacht werden können, indem das „zurückspringen“ zur vorherigen Seite im Planspiel nicht möglich ist.

 

Das Projekt „Reflectory“ des Institutes für Didaktik der Geographie der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster

Mit den Development Goals (Nachhaltige Entwicklungsziele) hat sich die Staatengemeinschaft entsprechende Ziele gesetzt, um die großen Herausforderungen, wie zum Beispiel den Klimawandel, Hunger und die Verschmutzung der Meere zu minimieren. Um diese Ziele zu erreichen müssen wir Zusammenhänge erkennen können und bei Entscheidungen verschiedene Perspektiven einbeziehen, um im Sinne der Nachhaltigkeit zu handeln. Dabei stehen vor allem auch die Schulen vor der großen Herausforderung, die von der UN beschlossenen Nachhaltigen Entwicklungsziele bestmöglich in alltägliche Unterrichtssituationen und in den lebensnahen Kontext von Schülerinnen und Schülern zu integrieren, um die besten Voraussetzungen für das Erreichen der Ziele zu gewähren. Um den Zugang zu dem Thema Nachhaltigkeit zu erleichtern und nachhaltige Denk- und Handlungsweisen zu fördern, hat das Institut für Didaktik der Geographie der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster ein durch Engagement Global gefördertes Projekt ins Lebens gerufen – bestehend aus den browserbasierten Lernspielen „Reflectories“, um die Nachhaltigen Entwicklungsziele erfahrbarer zu machen, spielerisch in alltagsnahe Entscheidungssituationen zu übersetzen und dabei gleichzeitig im Sinne Globalen Lernens System-, Bewertungs- und Handlungskompetenzen zu fördern. Lernende sollen die Komplexität globaler Herausforderungen bzw. der SDGs erkennen, Möglichkeiten des Umgangs mit Komplexität erlernen und reflektieren, sowie über die Konsequenzen des eigenen Handelns nachdenken. Dabei werden komplexe Wechselwirkungen von Prozessen auf verschiedenen Maßstabsebenen und die Entwicklungsdimension der Nachhaltigkeit berücksichtigt. Die Lernenden werden dabei in eine fiktive Geschichte eingebunden, bei denen sie immer wieder vor Entscheidungen gestellt werden und anschließend mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen konfrontiert werden.

Abb 3: Autorentool zur Erstellung eigener „Reflectories“

Die von dem Institut für Didaktik der Geographie entwickelte Website https://www.reflectories.de bietet zum einen „Reflectories“ an zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, welche am Institut für Didaktik der Geographie entwickelt wurden und „Reflectories“, welche von Lehrkräften, Studierenden und Schülerinnen und Schülern entwickelt wurden. Unter den Projekt Reflectories sind „Reflectories“ zu SDG 2 „Kein Hunger“, SDG 13 „Maßnahmen gegen den Klimawandel“, SDG 11 „Nachhaltige Städte“, SDG 12 „Nachhaltige/r Produktion und Konsum“ online verfügbar, sowie SDG 1 „Keine Armut“, SDG 13 „Klimawandel“ und SDG 7 „Energie. Einfach. Sauber“.
Außerdem stellt die Website ein Autorentool, sowie dessen Anleitung, zur Verfügung mit denen eigene Reflectories erstellt werden können.

 

Einsatz im Unterricht

Allgemein können „Reflectories“ fächerübergreifend eingesetzt werden und für die unterschiedlichsten Themen im Lehrplan entwickelt werden. Besonders am Ende einer Lerneinheit bieten sie die Möglichkeit das Thema noch einmal als Ganzes darzustellen und zu reflektieren, aber auch innerhalb einer Lerneinheit können „Reflectories“ für das schrittweise Bearbeiten eines Themas hilfreich sein. Sie können sowohl in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit sowie im Plenum durchgeführt werden. Vor allem die Bearbeitung in Einzelarbeit bietet den Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit in ihrem eigenen Lerntempo zu arbeiten und ihre eigenen Interessen zu vertiefen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Die bisher zur Anwendung entwickelten „Reflectories“ zum Thema Nachhaltigkeit stehen auf https://www.reflectories.de zur Verfügung und können ohne benötigtes Vorwissen im Unterricht eingesetzt werden. Dafür wird ein internetfähiges Endgerät (z.B. Smartphone, Tablet) benötigt, ein Wlan-Zugang sowie je nach Bedarf Kopfhörer.

Abb 4: Strukturbaum zu dem „Reflectory“ SDG 2 „Kein Hunger“

Außerdem hat das Institut für Didaktik der Geographie weitere Unterrichtsmaterialien auf der Website bereitgestellt, wie z.B. ergänzende Info-Texte, Arbeitsblätter, Didaktische Anregungen zur Vor- und Nachbereitung, Diskussionsanregungen und Strukturbäume, welche den Lehrkräften einen Überblick über mögliche Entscheidungswege verschaffen kann.

Abb 5: Arbeitsblatt zu dem „Reflectory“ SDG 13 „Maßnahmen gegen den Klimawandel“

 

 

Außerdem differenziert das zusätzliche Unterrichtsmaterial zum Teil nach Schwierigkeiten, wodurch die Heterogenität der Lernenden berücksichtigt wird und unterschiedliche Kompetenzen unterschiedlich stark gefördert werden. Somit kann durch entsprechende Nachbereitung der Fokus auf unterschiedliche Kompetenzen gelegt werden.